Vom Blockparty-Beat bis zum eigenen Conscious Rap.
In dieser Unterrichtsreihe lernst du, was HipHop ist, was Rap ist und was einen Conscious Rap ausmacht – Rap, der etwas zu sagen hat. Danach produzierst du mit einer Partnerin oder einem Partner euren eigenen Song in GarageBand auf dem iPad: mit Live Loops, eurem eigenen Text und mindestens einem selbst gebauten Sample.
Die Seite arbeitet in zwei Phasen:
Fünf Stationen, die du selbstständig durcharbeitest. Zu jeder Station gibt es Übungen mit Selbstkontrolle. Dauer: ca. 90 Minuten.
Schaltet sich frei, sobald du alle fünf Stationen abgeschlossen hast. Hier findest du alle Anleitungen für GarageBand, die Planungsmatrix und die Abgabe-Regeln.
🎧 Du brauchst Kopfhörer. Die Videos liegen direkt auf dem Server – wenn ein Video nicht startet, nutze den Link darunter.
Von der Bronx bis Berlin – die Geschichte einer Kultur.
Schau dir die Terra-X-Doku „Die Geschichte des Hip-Hop“ (MrWissen2go Geschichte) an. Halte an, wenn du etwas nicht mitbekommen hast – die Fragen unten beziehen sich genau auf die Doku. Tipp: Lies dir die Fragen vorher kurz durch.
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Beantworte die Fragen. Bei den Schreibfeldern reicht das wichtigste Stichwort.
HipHop ist mehr als Musik – es ist eine Kultur, die in den 1970er Jahren in der Bronx (New York) auf illegalen Blockpartys entstand. Jugendliche aus armen Vierteln schufen sich damit eine eigene Welt, in der Anerkennung und Respekt zählten. Die vier Elemente der HipHop-Kultur sind DJing, MCing (Rap), Breakdance und Graffiti.
In den 80er Jahren kommt HipHop nach Deutschland (Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Heidelberg), Anfang der 90er boomt Deutschrap – der Musiksender VIVA spielt ihn ins Wohnzimmer. Später prägen Battle Rap und Straßenrap (z. B. Aggro Berlin mit Sido, Bushido, Fler) die Szene. Heute sind Rapper wie Capital Bra kommerziell erfolgreicher als die Beatles – und verdienen mit Pizza, Eistee oder Fitnessprogrammen dazu.
Reim, Rhythmus, Haltung – die Werkzeuge eines MCs.
Rap (englisch to rap = quatschen, schwatzen) ist rhythmischer Sprechgesang auf einen Beat. Der Rapper heißt MC (Master of Ceremonies). Wichtig sind der Flow (wie der Text rhythmisch auf den Beat gelegt wird), die Reime und die Punchlines (Zeilen, die besonders treffen).
Ein Rap-Song ist meist so aufgebaut: Intro (kurz, oft 4 Takte) – Strophe (englisch Verse, oft 16 Takte) – Hook (Refrain, oft 8 Takte, enthält die Hauptaussage) – Strophe – Hook – Outro. Fast immer im 4/4-Takt, Tempo oft um die 90 BPM (Schläge pro Minute).
Unterarten von Rap: Battle Rap (Rapper treten gegeneinander an und dissen sich), Straßenrap / Gangsta Rap (harte Geschichten von der Straße, oft Klischees), Party-Rap (Feiern, Spaß) und Conscious Rap (bewusster, gesellschaftskritischer Rap – dazu mehr in Station 3).
Fachbegriffe rund um Rap und Songproduktion. Umlaute gibt es nicht, Namen werden zusammengeschrieben. Tippe in ein Feld und schreibe einfach weiter – der Cursor springt automatisch.
Rap mit Haltung: Danger Dan – „Sand in die Augen“ (2018)
Schau dir das Video mit Ton an (Kopfhörer!) und lies den Textauszug mit. Achtung: Das Video ist bewusst provozierend gemacht – warum, erfährst du in Aufgabe 4.
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Gar nicht so leicht, aufzuwachsen in 'ner Lebenswelt In der man Jungs, die rosa Kleidung tragen, gleich für Mädchen hält […] Der Kindergartenleiter leitet, die Erzieherin erzieht Jungs spielen Batman, Mädchen spielen Eisprinzessin Eigentlich ist die Welt nicht gemacht, um Kinder reinzusetzen Wie soll ich ihr erklären, es gibt da ein paar Unterschiede Die sich nicht erklären lassen, aber sie soll unterliegen Ob sie studiert oder ackert auf'm Bau Sie wird weniger verdienen, denn sie ist eine Frau […] Als Vater einer Tochter hab ich auf die meisten Rapper einfach gar keinen Bock mehr Eure gut gemeinten Liebeslieder sind das hinterletzte Ich hab keine Zeit für so 'ne Scheiße, ich muss Windeln wechseln. […] Wie soll ich ihr erklären, wo liegt da der Unterschied?
Informiere dich über Conscious Rap. Lies dazu das Merkwissen unten und, wenn du magst, die Links. Wende das Gelesene danach im Lückentext an – dort geht es um neue Beispiele, nicht um den Text von oben.
Wikipedia (deutsch) ↗ · kuuurz.de/con2 ↗ · HipHop Music History (englisch) ↗
Conscious Rap (englisch conscious = bewusst) ist Rap, der gesellschaftliche und politische Themen anspricht: Rassismus, Sexismus, Armut, Gewalt, Umwelt, Ausgrenzung, Demokratie. Statt mit Geld, Autos und Gewalt zu prahlen, wollen Conscious Rapper zum Nachdenken anregen, Missstände aufdecken und Haltung zeigen. Die Wurzeln liegen in den USA der 80er (z. B. Public Enemy, KRS-One), später u. a. Common, Talib Kweli, Kendrick Lamar. In Deutschland stehen dafür z. B. die Antilopen Gang / Danger Dan, Juse Ju, Fatoni, Sookee oder auch Teile von Blumentopf und Freundeskreis.
Typische Mittel: klare Botschaft in der Hook, Ich-Perspektive und persönliche Geschichten, Zitate und Samples aus Reden oder Nachrichten, Ironie und Übertreibung, um Klischees zu entlarven.
Das Video zu „Sand in die Augen“ hat viele Leute irritiert: Der Text kritisiert Sexismus, aber im Video tanzen halbnackte Frauen. Lies das Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit Danger Dan (Auszug) und bearbeite danach die Aufgaben.
Danger Dan ist kein typischer Rapper: Er prangert Sexismus und Frauenhass im Hiphop an. Im Interview spricht er über Geschlechterklischees und die Männerbranche Deutschrap – und erzählt, wie ihn die Geburt seiner Tochter beeinflusst hat. Von Johanna Dürrholz
Danger Dan, in Ihrer neuen Single „Sand in die Augen“ rappen Sie über Ihre kleine Tochter. Sie fragen sich, wie Sie ihr später erklären können, dass Frauen benachteiligt sind, zu Sexobjekten stilisiert werden und weniger verdienen als Männer. Im Video dazu tanzen zwei halbnackte Frauen um Sie herum, eine davon halten Sie sogar an einer Hundeleine fest. Wie passt das zusammen?
Der Text von dem Lied ist schrecklich, das sind keine schönen Fakten, die ich da erzähle. Der Text hat auch keine Alternative auf diese Fakten vorbereitet, das Video auch nicht. Das ist das Klischee-Rap-Video, das es genauso schon tausendmal gab und wieder geben wird. Aber im Normalfall wird in diesen Videos mit einer Ästhetik gespielt, die nicht hinterfragt wird. Zusammen mit dem Text hatte ich die Hoffnung, dass den meisten Leuten klar ist, dass dieses Video und die Bilder eigentlich total widerlich sind, eben auch in ernstgemeinten Videos anderer Rapper. Das Video hat aber viele Leute irritiert.
Vielleicht weil Sie zugleich sexistische Stereotypen reproduzieren.
Aber nicht im Text. Ich wollte keinen Sexismus reproduzieren, sondern aufzeigen.
Wenn das Video irgendwo ohne Ton läuft, dann klappt das aber nicht.
Davon bin ich, ehrlich gesagt, nicht ausgegangen. Ich wende mich an ein Publikum, das diese Stereotypen nie hinterfragt hat und auch nie darüber nachgedacht hat, in welchem Kontext sie stattfinden. Ich verstehe, dass das verstörende Bilder sind, und das war auch die Intention des Videos: zu verstören. Mir war es dann aber wichtig, am Ende eine gewisse Konsensualität aufzuzeigen mit der Sequenz, in der ich mit der Tänzerin darüber spreche, warum wir das Video so gemacht haben.
Ist es nicht aber auch ein bisschen so, dass das Video mit nackten Frauen besser ankommt?
Die Kritik, dass ich Sexismus reproduziere, geht mir sehr nach, und ich denke, dass da etwas dran sein könnte. Meine Hoffnung war aber auch, mit dem Video und dem Vorschaubild in solche Sphären vorzudringen, in denen Leute darauf erst einmal anspringen und eben nicht denken: oh, Sexismus. Sondern vielleicht denken: geiles Auto, geile Frau. Und dann kommt der Text.
„Jede Frau wird in ihrem Leben sexuell belästigt.“
Genau. Was ja eigentlich unfassbar verstörend ist, viel mehr als die Bilder. Ich wollte einer Hiphop-Szene, in der wir als Antilopengang auch stattfinden, einfach mal den Spiegel vorhalten und sagen: Das ist genau dasselbe wie immer, aber jetzt gucken wir uns mal den Text an – und dann verratet mir mal, was daran schön sein soll.
Wie waren denn bisher die Reaktionen auf das Video?
Es gab viel abstruses Zeug, das die Leute kommentiert haben. „Es gibt keine Gender Pay Gap“, so Sachen eben. Mir war schon klar, dass ich aus einer bestimmten Richtung keinen Applaus dafür bekomme, dass ich Windeln wechsle – will ich auch gar nicht. Aber es gibt keine Sensibilisierung für das Thema Sexismus. […]
Haben Sie selbst unter solchen Geschlechterrollen gelitten?
Ich hatte eine sehr schwierige Jugend, bin von vielen Schulen geflogen. Ich war ein typischer Hiphop-Atze. In meinem Freundeskreis waren keine Mädchen, was ich heute sehr gut verstehen kann. Wir waren einfach martialisch und aggressiv. Sich in so einer Szene zu bewegen, ist überhaupt kein gutes Gefühl. Ich hatte eigentlich durchgehend nur Angst. Es war gewaltaffin und unsolidarisch und hart. […]
Sie fragen im Song: Wie soll ich meiner Tochter das alles erklären? Haben Sie inzwischen eine Lösung?
Nein, und dafür ist meine Tochter auch noch zu klein. Was wir auf jeden Fall gerade üben, ist das Quatsch-erzählen-Spiel, das wir uns ausgedacht haben. Ich sage etwas wie „Baggerfahren ist nur für Jungs“, und dann entgegnet meine Tochter: „Das ist doch Quatsch!“ Und lacht sich kaputt. Außerdem spielen wir Rollenspiele, in denen man verschiedene Positionen einnehmen kann. Ein anderer Trick ist, die sogenannte reproduktive Arbeit gerecht zu verteilen.
Das heißt, Sie und die Mutter Ihrer Tochter teilen die Hausarbeit 50:50 auf?
Wir achten auf jeden Fall darauf, dass die Hausarbeit gerecht aufgeteilt wird, und diskutieren auch sehr viel darüber. Das klappt mal besser, mal schlechter. […]
Wie sexistisch ist Deutschrap denn, wenn Wörter wie Hurensohn zum Standard gehören?
Die Rapszene ist eine misogyne, männerdominierte Szene. Es gibt dort kaum Protagonistinnen und die, die es gibt, geben oft selbst verinnerlichten Sexismus wieder. Man kann an einer Hand abzählen, wie viele Frauen in Deutschland von Rap leben können. Das ist einfach ein schrecklicher Männerhaufen. Ich glaube aber auch, dass es nicht unmöglich ist, dort eine gewisse Sensibilität zu erreichen. Das ist beim Thema Rassismus teilweise geschafft. Aber die Vergewaltigungsphantasie gehört zum Standardrepertoire.
Haben Sie manchmal ein schlechtes Gewissen, dass Ihre Tochter durch Ihren Beruf eine gewisse Nähe zu Deutschrap bekommen wird?
Ich will sie nicht vor Deutschrap beschützen. Ich würde mir wünschen, sie könnte in einer Welt ohne Sexismus aufwachsen. Aber nicht ohne Deutschrap. Und meine Tochter kennt viele gute Rapper. Sie kennt ganz unterschiedliche Leute, wächst in einer künstlerischen und kreativen Umgebung auf. Daher mache ich mir keine Sorgen. Bei mir zu Hause würden niemals sexistische Texte aus den Lautsprechern kommen. Aber man guckt mit Kindern ja auch nicht einfach so Fernsehen, sie können Realität und Fiktion nicht immer unterscheiden. Man muss ihnen helfen, eine gewisse Medienkompetenz zu entwickeln. Der Trick ist nicht, irgendwas zu zensieren, sondern sie zu sensibilisieren: Wollen sie solche Frauenbilder sehen? Es ist egal, was die Eltern machen. Sie können Akademiker sein, Rapper, Bauarbeiter oder Bundeskanzlerin.
Danger Dan ist ein deutscher Rapper aus Aachen und Vater einer Tochter. Seine Hiphop-Gruppe Antilopen Gang wurde durch Songs wie „Beate Zschäpe hört U2“ und „Pizza“ und durch ihre klare politische Haltung deutschlandweit bekannt. Quelle: F.A.S. (Auszug)
Aus alt mach neu: Juse Ju – „Eine kleine Frage“ (2020)
Schau dir das Video an und lies den Text mit. Achte besonders auf die Stimme in Klammern – die ist nicht von Juse Ju!
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Ich hab' da 'ne kleine Frage (hast du Gase eingeatmet?) Alle schlafen hier wie Schafe (hast du Gase eingeatmet?) Das darf man ja nicht sagen (hast du Gase eingeatmet?) Wir können die Wahrheit nicht ertragen (hast du Gase eingeatmet?) Was trägst du da für eine Fahne? (hast du Gase eingeatmet?) Nein, da waren keine Nazis (hast du Gase eingeatmet?) Ich hab' Fragen über Fragen, ja (hast du Gase eingeatmet?) Ich kann dir nur bescheinigen (Der's so alleine ey) Dein Superman-Umhang ist eine Reichskriegsflagge (ach echt?) Ja, als Revolutionär muss man sich Feinde machen (ach echt?) Und du bist bereit zu sterben für die eine Sache (ach echt?) Okay stirb, doch kannst du das bitte alleine machen (Hu) Seit du aufgewacht bist, willst du etwas beitragen (was denn?) Du bist aufgewacht, ich wünscht' ich könnte einschlafen (was denn?) Und vielleicht sollte sich auch die Polizei fragen (was denn?) Ob all die Einzeltäter wirklich so allein waren (Wahnsinn, hey) Nein, Twitter ist kein Platz für Diskussionen (was dann?) Twitter ist ein Platz für billige Parolen (was dann?) Menschen die denken alle Anderen sind Idioten (was mit denen?) Sind in den meisten Fällen waschechte Idioten (Hu)
Recherchiere bei YouTube: Woher stammt das Zitat ursprünglich? Suche z. B. nach „Hast du Gase eingeatmet Original“.
Sampling bedeutet, einen Ausschnitt aus einer vorhandenen Aufnahme (Musik, Rede, Film, Geräusch) zu nehmen – das Sample – und ihn in einem neuen Song zu verwenden. Das Sample kann geschnitten, geloopt (wiederholt), in der Tonhöhe oder im Tempo verändert, rückwärts abgespielt oder wie ein Instrument auf einem Keyboard gespielt werden.
Sampling ist seit den Anfängen ein Kernstück des HipHop: Die ersten DJs loopten die Schlagzeug-Breaks alter Funk- und Soul-Platten (berühmt: der „Amen Break“). Im Conscious Rap werden oft Zitate aus Reden, Nachrichten oder viralen Videos gesamplet, um eine Aussage zu verstärken oder zu entlarven – genau wie Juse Ju es mit „Hast du Gase eingeatmet?“ macht.
Mehr dazu: Infos und Tipps zum Sampling (kuuurz.de/sampling) ↗ · Rechtlich gilt: Für veröffentlichte Songs muss man Samples clearen (Erlaubnis einholen). Für euer Schulprojekt ist das kein Problem, solange der Song nicht veröffentlicht wird.
Das große Abschlussquiz. Bestehst du, öffnet sich die Tür zum Studio.
10 Fragen aus allen Stationen. Du kannst das Quiz so oft wiederholen, wie du willst. Für den Backstage-Pass brauchst du mindestens 7 von 10 richtigen Antworten.
Das Projekt wird freigeschaltet, sobald du alle fünf Stationen abgeschlossen hast.
Mit einem Code werden deine Eingaben in der DorokCloud (auf dem Server von Herrn Dorok) gespeichert – nicht nur auf diesem iPad. Das heißt: Nächste Woche machst du genau mit dem Stand weiter, den du heute hattest – egal an welchem iPad. Einfach den Code eingeben, und alles ist wieder da. Merke dir den Code gut (Notizen-App, Heft)!
Codes: mindestens 4 Zeichen, nur Buchstaben, Zahlen und Bindestrich. Wähle etwas, das andere nicht erraten – und das du dir merken kannst. Wer den Code kennt, kann die Daten sehen und ändern.
Die Seite speichert automatisch ein paar Sekunden nach jeder Eingabe in der DorokCloud und holt beim Öffnen den neuesten Stand. Dieser Knopf macht beides sofort von Hand: erst wird alles von diesem iPad hochgeladen, dann geprüft, ob in der DorokCloud etwas Neueres liegt (z. B. weil dein Partner gerade am anderen iPad etwas eingetragen hat). Nutze ihn, wenn oben ein ⚠️ steht oder du sicher sein willst, dass alles gesichert ist, bevor du das iPad abgibst.